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Heinrich Buchmann  Wein-und Genussexperte (IHK)  

Die Geschichte der 35: „Beide Seiten der Alpen“

Eine stille Erinnerung an unseren gemeinsamen Abend
Die Gäste sind versammelt. Das Licht ist warm.
Ich stehe vorne. Ein Glas in der Hand.
Kein Pult. Kein Mikrofonschall.
Nur meine Stimme, die den Raum kaum mehr als berührt.


Bevor jemand kam, war der Raum still wie ein angehaltener Atemzug.
Ich schaue in die Runde. 35 Fremde.


Ich sehe die Spannung in ihren Nacken, das leise Zögern in ihren Augen.
„Hören Sie das?“, flüstere ich fast. „Die Weine schlafen noch.
Sie halten ihre Geschichten unter dem Korken fest. 
Warten wir einen Moment, bis sie bereit sind zu sprechen.“


Das erste Raunen
Wir beginnen leise. Der Prosecco von Famiglia Scotta.
Ich schenke ein, als wäre es ein Geheimnis. „Hören Sie das Kribbeln?
Das sind keine Bläschen. Das sind helle Gedanken, die an die Oberfläche flüstern.“


Ich sehe, wie die 35 Menschen tief einatmen.
Der Tag fällt von ihnen ab.


Dann der Sauvignon Blanc von Regele.
Ein kühler Windhauch. Er flüstert von steilen Hängen und nassem Gras.
Er ist nicht laut – aber er ist ehrlich.
Mit diesem zweiten Glas spüre ich es:
Die 35 Fremden rücken ein Stück näher zusammen.
Die Anspannung löst sich. Sie sind angekommen.


Die leisen Gespräche der Reben. Wir lassen die Weine für sich sprechen.
Jeder in seinem eigenen Tempo.
Der Grauburgunder erzählt von der Wärme des Burgenlands, wie eine Jacke, die man sich überzieht.
Der Manzoni Bianco spricht von einer Umarmung zwischen Nord und Süd.
Und der Arneis? Er kichert fast.
Ein schelmisches Flüstern, bevor es ernst wird.
Beim Chardonnay Pilat werde ich noch leiser. 
„Hier oben, auf dem Gipfel, gibt es kein Laut oder Leise mehr. Nur noch das Atmen des Berges.“
Ich sehe in die Gesichter. Es ist jetzt eine gemeinsame Stille. Eine Stille, die verbindet.


Das Band der 35
Beim blinden Riesling wird aus dem Flüstern ein gemeinsames Raten. Grenzen fallen.
Der Wein hält sich nicht an Karten – und wir uns nicht mehr an Distanz.


Die Rotweine übernehmen das Gespräch.
Der Zweigelt lacht uns entgegen.
Der Refosco murmelt von Erde und wildem Wald.
Der Carmenère erzählt ein dunkles, samtenes Märchen.
Der Lagrein hüllt uns in ein Schweigen, das sich gut anfühlt.
Und am Ende – der Nebbiolo. „Der König“, raune ich. „Er spricht von dem, was bleibt.
Von der Sehnsucht.“


Der Ausklang
Ich trete einen Schritt zurück.
Ich muss nicht mehr viel sagen.
Die Weine haben ihre Arbeit getan.
Aus 35 Fremden sind 35 Freunde geworden.


Meine Worte waren nur das Flüstern im Hintergrund, das den Raum geöffnet hat.
Was uns jetzt verbindet ist das gemeinsam erlebte. Die Geschichten, die wir geteilt haben.
Und der Wein, der uns die Sprache dafür geliehen hat.
Ich danke Ihnen, dass Sie mit mir gelauscht haben.
Und ich danke den Weinen, dass sie gesprochen haben.


Der Weinflüsterer

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