FINE-TASTERY.DE     
Heinrich Buchmann  Wein-und Genussexperte (IHK)  

Amarone della Valpolicella 


Du willst nicht nur lesen, sondern erleben ?
Hier sind die Weine, die ich aktuell besonders empfehle.✨



Amarone della Valpolicella – Zeit, Konzentration und dunkle Größe

Es gibt Weine, die aus Landschaft entstehen.
Und es gibt Weine, die aus Zeit entstehen.
Amarone gehört zur zweiten Kategorie.
In den Hügeln nördlich von Verona, zwischen kühlen Morgen und warmen Nachmittagen, entsteht ein Rotwein, der nicht allein im Weinberg geformt wird. Seine eigentliche Entstehung beginnt nach der Lese – in stillen Räumen, auf Holzgestellen, in Monaten der Geduld. Hier verliert die Traube Wasser, gewinnt Konzentration und verwandelt sich langsam in etwas Tieferes.
Amarone ist kein spontaner Wein.
Er ist ein bewusst gebauter.
Während Barolo aus Struktur wächst und Brunello aus Ruhe, entsteht Amarone aus Konzentration. Und doch ist er mehr als Kraft. Große Amarone tragen eine stille Präzision in sich, eine Balance aus Dichte und Klarheit, die nur durch Zeit möglich wird.
Amarone beeindruckt nicht durch Lautstärke.
Er beeindruckt durch Gewicht.

Amarone ist kein Zufallswein. Er ist Konstruktion.
Einer der wenigen großen Rotweine der Welt, dessen Tiefe nicht allein im Weinberg entsteht, sondern in der Zeit danach.


Amarone in 30 Sekunden erklärt
Amarone della Valpolicella ist einer der kraftvollsten Rotweine Italiens und stammt aus dem Veneto nördlich von Verona. Er wird aus Corvina, Rondinella und Molinara hergestellt – allerdings nicht aus frischen, sondern aus mehrere Monate getrockneten Trauben.
Durch dieses traditionelle Trocknungsverfahren, das Appassimento, konzentrieren sich Zucker, Aromen und Extrakt. Das Ergebnis sind dichte, alkoholreiche Weine mit großer Tiefe und außergewöhnlicher Langlebigkeit.
Typisch sind Noten von dunkler Kirsche, getrockneten Früchten, Kakao, Gewürzen und Leder, getragen von viel Struktur und Wärme.
Kurz: Amarone ist Italiens konzentriertester Rotwein – entstanden aus Zeit, Geduld und kontrollierter Kraft.

🧱 Die Landschaft der Valpolicella

Nördlich von Verona breiten sich die Hügel der Valpolicella aus. Sanfte Terrassen, kalkhaltige Böden, Olivenhaine und Weinberge prägen das Bild. In der Ferne wirkt der Gardasee klimatisch ausgleichend, während kühle Luft aus den Alpen für Bewegung sorgt.
Diese Landschaft wirkt offen, beinahe mediterran. Und doch liegt in ihr eine erstaunliche Präzision. Die besten Lagen liegen an Hängen mit guter Durchlüftung, wo Trauben langsam und gesund ausreifen können. Nur vollkommen intakte Beeren eignen sich für den langen Trocknungsprozess, der Amarone definiert.
Valpolicella ist kein dramatisches Terroir.
Seine Größe liegt in der Konstanz.

Die Entstehung des Amarone

Amarone entstand nicht als geplanter Ikonenwein.
Seine Geschichte beginnt als Zufall.
Ursprünglich wollte man in Valpolicella süße Recioto-Weine erzeugen. Doch einige Fässer vergoren vollständig durch – trocken, kraftvoll, ungewöhnlich. Aus diesem „Fehler“ entstand ein neuer Stil.
Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich Amarone bewusst zu einem eigenständigen großen Rotwein. Mit der Perfektionierung des Appassimento-Verfahrens und strenger Selektion der Trauben wurde aus einem Zufallsprodukt eine der konzentriertesten Weinformen Italiens.
Heute gehört Amarone zu den charakterstärksten Rotweinen der Welt.
Nicht wegen Tradition allein – sondern wegen seiner Einzigartigkeit.

⏳ Das eigentliche Geheimnis: Zeit nach der Lese

Nach der Ernte beginnt Amarone erst zu entstehen.
Die Trauben werden nicht sofort vergoren. Sie werden ausgelegt, oft auf Bambus- oder Holzgestellen, in gut belüfteten Dachböden oder speziellen Trockenräumen. Wochen werden zu Monaten. Wasser verdunstet. Zucker, Säure und Extrakt konzentrieren sich. Aromen verdichten sich.
Dieser Prozess ist still.
Und entscheidend.
Wenn die Trauben schließlich gepresst werden, tragen sie bereits eine Intensität in sich, die im Weinberg allein nicht entstehen könnte. Die anschließende Gärung ist langsam, der Ausbau lang, oft mehrere Jahre. Amarone braucht Geduld auf jeder Ebene.
Er ist kein Produkt schneller Entscheidungen.
Er ist ein Wein der Konsequenz.

🍇 Rebsorten und Ausdruck

Amarone entsteht aus klassischen Sorten des Veneto – Corvina, Rondinella und Molinara. Doch entscheidend ist nicht die einzelne Rebsorte, sondern ihre Transformation durch das Trocknen.
Die Aromen bewegen sich zwischen dunkler Kirsche, getrockneten Früchten, Kakao, Gewürzen und manchmal einem Hauch von Bittermandel. Doch diese Beschreibungen greifen zu kurz. Großer Amarone zeigt keine einfache Süße. Er zeigt Tiefe. Eine dunkle, fast samtene Struktur, getragen von Alkohol, Extrakt und überraschender Frische.
Er wirkt voll – aber nicht schwer.
Dicht – aber nicht statisch.
Die besten Beispiele besitzen eine innere Spannung, die sie über Jahrzehnte trägt.

entdecke die Rebsorten:

🍇 Corvina
🍇 Rondinella
🍇 Molinara


Struktur statt Opulenz

Amarone wird oft als opulent beschrieben.
Doch große Amarone sind präziser, als dieses Wort vermuten lässt.
Die Konzentration bringt Gewicht, doch Säure und Tannin halten den Wein in Balance. Alkohol sorgt für Wärme, doch niemals für Schwere. Mit Reife entstehen Noten von Leder, Tabak, getrockneter Kirsche, dunkler Schokolade und Gewürzen.
Ein junger Amarone wirkt kraftvoll und dicht.
Ein gereifter Amarone wirkt ruhig und tief.
Er verliert nichts.
Er wird stiller.

🔬 Stilistik

Amarone della Valpolicella gehört zu den kraftvollsten und konzentriertesten Rotweinen Italiens. Er wird trocken ausgebaut, wirkt dicht und strukturiert und erreicht meist einen Alkoholgehalt von 15 bis 17 %. Grundlage sind die traditionellen Rebsorten Corvina, Rondinella und Molinara, deren getrocknete Trauben dem Wein seine außergewöhnliche Tiefe verleihen.
Nach einer langen Gärung reift Amarone häufig mehrere Jahre im Holzfass und anschließend in der Flasche. Typisch sind Aromen von dunkler Kirsche, getrockneten Früchten, Kakao, Gewürzen und Leder, getragen von viel Extrakt und Wärme. Große Amarone besitzen ein bemerkenswertes Reifepotenzial von 15 bis 30 Jahren und entwickeln mit der Zeit zusätzliche tertiäre Noten und eine ruhigere, komplexere Struktur.
Amarone passt besonders gut zu geschmorten Fleischgerichten, Wild und gereiftem Käse – oder wird als meditativer Wein für sich allein genossen.

⏳ Reife – der lange Atem

Große Amarone entwickeln sich über Jahrzehnte.
In der Jugend zeigen sie Kraft und dunkle Frucht. Mit der Zeit treten tertiäre Aromen hervor: Unterholz, Gewürze, getrocknete Orangenschale, manchmal ein Hauch von Kaffee oder Kakao. Die Textur wird weicher, doch die Struktur bleibt.
Ein großer Amarone ist kein Wein für schnelle Eindrücke.
Er entfaltet sich langsam, oft über Stunden im Glas.
Und manchmal über Generationen in der Flasche.

🖤 Große Amarone entstehen nicht aus Eile. Sondern aus Zeit.

Warum Amarone trotz Kraft nie schwer wirkt

Große Amarone wirken kraftvoll, aber niemals plump.
Die Konzentration entsteht durch Wasserverlust, nicht durch Überreife. Dadurch bleiben Säure und Struktur erhalten.
Genau diese Balance aus Dichte und Frische entscheidet über Größe.
Ein großer Amarone beeindruckt nicht durch Gewicht allein, sondern durch Kontrolle.


🏆 Die drei großen Rotwein-Ikonen Italiens

Italien besitzt viele große Weine.
Doch nur wenige erreichen jene Tiefe, jene Konsequenz und jenes Alterungspotenzial, das sie zu echten Ikonen macht.
Drei Namen stehen dabei über allen anderen:

Barolo.
Brunello.
Amarone.

Sie stammen aus unterschiedlichen Regionen, aus unterschiedlichen Klimazonen und entstehen auf vollkommen verschiedene Weise. Und doch verbindet sie eine Eigenschaft: Sie sind keine Alltagsweine. Sie sind Referenzpunkte.
Wer italienischen Spitzenwein verstehen will, kommt an ihnen nicht vorbei.

⛰️ Barolo – Struktur und aristokratische Spannung

Im Piemont, zwischen Nebel, Kalk und kühlen Herbsttagen, entsteht Barolo aus Nebbiolo. Ein Wein von vertikaler Struktur, geprägt von Tannin, Säure und mineralischer Spannung.
Barolo wirkt oft verschlossen in der Jugend. Streng. Analytisch. Doch mit Reife entwickelt er jene komplexe Tiefe aus Rose, Teer, Trüffel und getrockneter Frucht, die ihn zu einem der langlebigsten Rotweine der Welt macht.
Er ist kein Wein der Wärme.
Er ist ein Wein der Struktur.
Barolo denkt.
Und fordert Geduld.
👉 Mehr erfahren: Barolo intensiv

🍝 Brunello – Geduld, Sonne und innere Ruhe

Südlich von Siena, auf den Hügeln von Montalcino, entsteht Brunello aus Sangiovese. Hier ist das Licht wärmer, die Landschaft offener, doch die Struktur bleibt kompromisslos.
Brunello verbindet reife Frucht mit stabiler Säure und festen Tanninen. Seine Entwicklung verläuft langsamer, ruhiger, oft würdevoller. Mit den Jahren entstehen Aromen von Leder, Tabak, Kräutern und trockener Erde.
Er wirkt nicht streng wie Barolo.
Aber ebenso tief.
Brunello erinnert.
Und bleibt.
👉 Mehr erfahren: Brunello di Montalcino

🌊 Amarone – Konzentration und dunkle Opulenz

Im Veneto entsteht mit Amarone ein Wein völlig anderer Herkunft. Getrocknete Trauben, hohe Konzentration, tiefe Extraktion. Amarone besitzt eine Dichte, die kaum ein anderer italienischer Rotwein erreicht.
Doch großer Amarone ist nicht nur kraftvoll.
Er verbindet Konzentration mit Struktur und Frische. Noten von dunkler Kirsche, Kakao, Gewürzen und getrockneten Früchten entwickeln sich über Jahrzehnte.
Amarone beeindruckt nicht durch Eleganz allein.
Er beeindruckt durch Präsenz.
Amarone ist Intensität.
In ihrer ruhigsten Form.
👉 Mehr erfahren: Venetien, Valpolicella und Ripasso

Drei Wege zur Größe

Barolo entsteht aus Nebel und Kalk.
Brunello aus Sonne und Höhe.
Amarone aus Zeit und Konzentration.

Drei unterschiedliche Wege.
Ein gemeinsames Ziel: Größe.
Sie sind keine Konkurrenz.
Sie sind Perspektiven.

Und zusammen bilden sie das Fundament großer italienischer Rotweinkultur.

Meine persönliche Empfehlung als Einstieg in diese Welt der Ikonen:


🏆🍇 La Gerla Brunello di Montalcino DOCG 2018
🏆🍇Barolo DOCG 2019 – Azienda Agricola Daniele Pelassa
🏆🍇 Brigaldara Amarone Cavolo DOC 2017


10 Top-Winzer 

    Giuseppe Quintarelli – Kultproduzent und Inbegriff traditioneller Amarone-Handwerkskunst, dessen Weine für extreme Tiefe, Komplexität und legendäres Reifepotenzial stehen.
    Dal Forno Romano – Modernistischer Spitzenbetrieb, bekannt für technisch präzise, hochkonzentrierte Amarone mit enormer Dichte und internationalem Prestige.
    Bertani – Historisches Weingut und stilistische Referenz für klassische, langlebige Amarone mit besonderem Fokus auf Eleganz und Balance.
    Allegrini – Einer der bekanntesten Namen der Region, der traditionellen Amarone-Stil mit moderner Präzision und internationaler Zugänglichkeit verbindet.
    Masi – Bedeutender Botschafter des Amarone weltweit, bekannt für konstante Qualität und die Weiterentwicklung der Appassimento-Tradition.
    Zenato – Renommierter Produzent aus dem Veneto, dessen Amarone für Tiefe, Wärme und zugängliche Kraft stehen.
    Speri – Familienweingut mit starkem Terroir-Fokus, das elegante und authentische Amarone aus eigenen historischen Lagen erzeugt.
    Tommasi – Traditionsreicher Erzeuger, der klassischen Amarone-Stil mit Klarheit, Struktur und internationaler Verlässlichkeit verbindet.
    Brigaldara – Qualitätsorientierter Produzent, der präzise, terroirbetonte Amarone mit moderner Stilistik und feiner Balance vinifiziert.
    Tedeschi – Historisches Valpolicella-Weingut, dessen Amarone für Struktur, Lagerfähigkeit und eine klare regionale Handschrift bekannt sind.


⏳ Der Weinflüsterer Moment – Amarone

Ein Winterabend in den Hügeln der Valpolicella.
Die Luft ist kühl, klar, beinahe still. Zwischen den sanften Terrassen liegen die Weinberge ruhig unter einem blassen Himmel. In alten Steinhäusern, auf hölzernen Gestellen, ruhen die Trauben – längst geerntet, und doch noch immer auf ihrem Weg zum Wein.
Zeit arbeitet hier leise.
Ohne Eile. Ohne Druck.
Im Glas ein Amarone.
Tiefdunkel. Samtig. Fast undurchdringlich.
Du hebst es an die Nase.
Dunkle Kirsche. Getrocknete Feige. Ein Hauch Kakao. Dann etwas Warmes, fast Vertrautes – wie Holz, das langsam im Kamin glüht.
Der erste Schluck ist kein Moment.
Er ist ein Raum.
Dicht, weich, kraftvoll – und doch getragen von einer Ruhe, die nicht beeindrucken will. Die Wärme breitet sich aus, langsam, gleichmäßig. Nichts wirkt überladen. Alles wirkt selbstverständlich.
Dieser Wein erzählt nicht von Frische oder Leichtigkeit.
Er erzählt von Geduld.
Von Konzentration.
Von der Kunst, Zeit wirken zu lassen.
Amarone ist kein Wein für laute Abende.
Er ist ein Wein für stille Stunden.
Und während draußen die Kälte der Nacht über die Hügel zieht, bleibt er im Glas – warm, tief und ruhig.
Wie ein Feuer, das nicht flackert. Sondern bleibt.

 
 
 
 
E-Mail
Anruf
Karte
Infos
Instagram